„Komm, ich mal’ dir unsere Farben auf die große Häuserwand …“, so heißt es in einer Liedzeile von Gisela Berndt. Eben dies geschieht, wenn die Songwriterin und Sängerin aus Köln ihren lyrischen Tuschkasten für uns öffnet. Gisela Berndt malt – mit ihren Texten und mit ihrer Stimme. Wie mit leichter Hand skizziert entwirft sie Szenarien des Lebens, begibt sich auf vielschichtige innere Reisen, auf die Suche nach der Wahrheit, lässt Erinnerungen bildhaft Gestalt annehmen. Niemals laut und plakativ sind die Text – und Klanggemälde dieser Künstlerin. Vielmehr gleichen ihre Geschichten einem schillernden Aquarell: Zwischentöne, sich überlagernde Ebenen, flirrendes Licht – und Schattenspiel. So wie der Maler mit Wasser und Pigment sein Werk auf Leinwand zum Leben erweckt, so erschafft Gisela Berndt mit berückend klarer Sprache größte Komplexität ihrer Lyriks – die ihre Stimme dann zum Funkeln bringt. Die Leinwand sind wir, lassen uns einfangen von dieser Stimme, die zugleich von Leichtigkeit wie sinnlichem Tiefgang zeugt.

Gisela Berndt ist eine lebenserfahrene Frau, die etwas zu sagen hat – die Füße fest auf dem Boden des Hier und Jetzt, doch den Kopf frei in den Wolken – beste Voraussetzungen also für eine Künstlerin …

Zur Komposition kam sie über ihre in deutscher Sprache verfassten Texte und Gedichte, denen sie mit einer klanglichen und rhythmischen Entsprechung eine weitere Dimension hinzufügen wollte. Die Musik entstand dann in Zusammenarbeit mit dem Pianisten Gero Koerner. Gemeinsam schneidern sie ein passgenaues Klanggewand für ihre Geschichten – was mit jedem ihrer Songs ein unverwechselbares Stimmungsbild erstehen lässt. Musikalisch bewegen sich die zehn Stücke des Albums Nach Norden zwischen Swing, Latin, Jazz und Blues, wobei Rhythmus und Melodie jede Stimmungslage ihrer Texte moduliert und akzentuiert.

Mit Gero Koerner (p), Werner Lauscher (b) und Benedikt Hesse (dr) kann Gisela Berndt sich dabei auf eine Band verlassen, die wie ein perfekt aufeinander eingestimmter Klangkörper so sensibel wie selbstbewusst dieser starken Künstlerpersönlichkeit folgt.

Gehen wir also mit ihr – Nach Norden – „Wenn die Wolken Dächer bauen und wenn Wind die Häuser streicht …“