Gibt es keinen besseren Zeitpunkt, als mitten in der Pandemie eine CD herauszubringen? In diesem Fall passt es gerade jetzt wie selten zuvor. Im Album „SONGS OF FAITH – Glaubenslieder“ veröffentlicht das Trio Bending Times Jazzarrangements und Kompositionen zu Chorälen, die schon seit Jahrhunderten vielen Menschen in unterschiedlichsten Krisen Trost und Zuversicht gegeben haben. Zeilen wie „der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann“ oder „der hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen“ hallen in diesen unsicheren Zeiten auf besondere Weise nach. Bending Times begegnet den Chorälen mit einer solch inspirierenden Spielweise, dass man merkt, dass sie miteinander und auch speziell mit diesem Thema schon reichlich Erfahrung auf dem Triokonto gesammelt haben.

Christian Grosch (piano), Toralf Schrader (bass) und Enno Lange (drums) gründeten Bending Times 2010 in Dresden, wo sie alle an der HfM Carl Maria von Weber Jazz studierten. 2012 erschien ihr Debütalbum „MAGDALA“ mit Kompositionen Christian Groschs (erhältlich über www.bending-times.de). Wenig später, 2013, konzipierten sie das Programm „Songs & Chorals“, in welchem sie sich traditionellen Chorälen des 14. bis 17. Jahrhundert widmeten. Einen Schwerpunkt legten sie u.a. auf die Choräle Paul Gerhardts. 2016 komponierte Christian Grosch eine Jazzfassung des Mozart-Requiems für Bending Times und Chor, welche am Weltflüchtlingstag desselben Jahres in Prenzlau uraufgeführt wurde – als Requiem in Gedenken an die Opfer von Krieg und Vertreibung. Im Jahr darauf präsentierte das Trio anlässlich des Reformations-Jubiläumsjahres 2017 sein Programm LUTHER = JAZZ mit Musik zu Texten und Liedern Martin Luthers.

Über die Jahre haben die drei Musiker den Umgang mit Chorälen stetig weiterentwickelt und in eine große musikalische Vielfalt verästelt. Ihr unverwechselbarer Triosound blieb dabei immer erhalten. Die liebevolle Art und Weise, mit der der Pianist und Komponist Christian Grosch sich den alten Weisen annähert, lässt eine Musik entstehen, die erfüllt ist von Lebendigkeit, Energie, geistiger Tiefe und musikalischem Humor.

Dieses Einfühlungsvermögen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Hartmut Grosch arbeitete als begeisterter Kirchenmusiker, und der Sohn durchlief neben der Musikschule sämtliche musikalische Gruppen seiner Gemeinde auf verschiedensten Instrumenten. Bevor er Jazzpiano studierte, absolvierte er ebenfalls ein Studium der Kirchenmusik in Halle/Saale und Göteborg (Schweden) mit den Hauptfächern Orgel, Klavier und Dirigieren. Dass er einmal seine Leidenschaft, den Jazz, auf so wunderbare Weise wie in SONGS OF FAITH mit seinen musikalischen Wurzeln verbinden könnte, betrachtet er „als ein großes Geschenk“.

Zu dritt, mit dem Kontrabassisten Toralf Schrader und dem Schlagzeuger Enno Lange, gehen sie in einen kongenialen Austausch miteinander, entfalten feinteilige Grooves, lassen ihre Melodien leuchten und schaffen ein weites, improvisatorisch frei atmendes, hell schillerndes und auch sterbensdüsteres Universum. Die 16 Musikdenkmale, so kann man die Choräle durchaus nennen, auf zwei CDs entlassen den Hörer nicht aus bewusstem Zuhören, Lauschen und Staunen. Zu den Instrumenten gesellt sich plötzlich der Gesang Christian Groschs, erst im Renaissance-Stil, dann als mahnender Liedermacher und schließlich im hauchzarten Jazzflüsterton. Mit eben diesem letzten Stück des Albums spannt Bending Times vollends den Bogen zur Gegenwart. Der alte Choraltext von Adam Krieger und Johann F. Herzog erklingt statt der ursprünglichen auf eine neue Melodie Christian Groschs. Nun könnte man noch vieles zu diesem sehr besonderen Album erwähnen, doch wie heißt es so schön: „Wer Ohren hat, der höre!“